{"id":787,"date":"2019-09-27T09:30:31","date_gmt":"2019-09-27T09:30:31","guid":{"rendered":"http:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?p=787"},"modified":"2020-01-26T18:45:39","modified_gmt":"2020-01-26T18:45:39","slug":"grusswort-andreas-schulz-landeszentrale-fuer-politische-bildung-baden-wuerttemberg-zur-eroeffnung-am-26-09-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?p=787","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort Andreas Schulz, Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Baden-W\u00fcrttemberg, zur Er\u00f6ffnung am 26.09.2019"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-787\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-787-0\"  class=\"panel-grid panel-has-style\" ><div style=\"padding: 100px 0; \" data-overlay=\"true\" class=\"panel-row-style panel-row-style-for-787-0\" ><div id=\"pgc-787-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-787-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div style=\"text-align: left;\" data-title-color=\"#443f3f\" data-headings-color=\"#443f3f\" class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-787-0-0-0\" ><div class=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\">\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-788 alignleft\" src=\"http:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/A_Schulz-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/A_Schulz-229x300.jpg 229w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/A_Schulz-230x302.jpg 230w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/A_Schulz.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/>Sehr geehrter Herr B\u00fcrgermeister Schuhmacher,<\/p>\n<p>sehr geehrter Herr Martin,<\/p>\n<p>liebe Frau Feldes,<\/p>\n<p>liebe Mitglieder der Initiative KZ-Gedenken Spaichingen,<\/p>\n<p>sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>2020 j\u00e4hrt sich das Ende der NS-Diktatur zum 75. Mal. Fast ein Menschenleben ist nun vergangen, seit die letzten H\u00e4ftlinge aus dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurden. Und genauso lange ist es her, dass hier, in Spaichingen, rund 400 H\u00e4ftlinge von der SS auf einem Todesmarsch Richtung Allg\u00e4u getrieben wurden.<\/p>\n<p>Diese 75 Jahre bedeuten auch, dass wir uns allm\u00e4hlich von der letzten Generation der Zeitzeugen verabschieden m\u00fcssen. Den letzten Menschen, die mit eigenen Augen gesehen und erlebt haben, zu was der Nationalsozialismus und all seine Unterst\u00fctzer und Mitl\u00e4ufer f\u00e4hig waren.<\/p>\n<p>Das, was uns bleibt, sind Dokumente, Aufzeichnungen, Bilder und Orte \u2013 stumme Zeugen eines<br \/>\nhimmelschreienden Unrechts. Diese Quellen aber, die uns bleiben, ben\u00f6tigen einen Mediator, der sie uns \u00fcbersetzt, in unseren Lebens- und Wissenshorizont \u00fcbertr\u00e4gt \u2013 inhaltlich wie emotional.<\/p>\n<p>In letzter Zeit werde ich oft gefragt, ob es denn immer noch mehr Gedenkst\u00e4tten br\u00e4uchte. Menschen aus der Politik wie auch aus meinem privaten Umfeld scheint diese Frage umzutreiben. Anders formuliert k\u00f6nnte man fragen: Leisten Gedenkst\u00e4tten einen Beitrag zum Gelingen unserer heutigen Gesellschaft? Ich selbst meine: Sie leisten gleich mehrere Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>An Gedenkst\u00e4tten finden sich Menschen, die diese eben erw\u00e4hnte Mediatorenrolle einnehmen k\u00f6nnen und wollen; die Objekte und Orte zum Sprechen bringen und die uns Geschichten erz\u00e4hlen, die uns emotional mit der Vergangenheit verbinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus schaffen solche Orte ein Verst\u00e4ndnis von und ein Bewusstsein durch Geschichte. Sie verorten das vergangene Weltgeschehen vor der eigenen Haust\u00fcre; sie machen gro\u00dfe Ereignisse im Nahraum erfahrbar. Das unterscheidet sie auch von einem Geschichtsbuch. Dort reicht der Platz meist nur aus, um das Gro\u00dfe und Ganze in den Blick zu nehmen, landes- und weltweite Entwicklungen zweidimensional verst\u00e4ndlich aufzubereiten. Eine Gedenkst\u00e4tte aber ist vor Ort begehbar. Mit meinen F\u00fc\u00dfen kann ich genau dort stehen, wo Geschichte passiert ist \u2013 oft nur einen kurzen Weg von meiner Wohnung entfernt. So erfahre ich, was Geschichte mit mir, mit meinem unmittelbaren Umfeld zu tun hat.<\/p>\n<p>Ferner bieten Gedenkst\u00e4tten Raum, gemeinsam an einer Erinnerungskultur zu arbeiten, die die gesamte Gesellschaft mit einbezieht \u2013 einer Gesellschaft von Alt und Jung, von unterschiedlicher Herkunft, aus der Politik, aus Haupt- und Ehrenamt.<\/p>\n<p>Eine solche Erinnerungskultur kann nie von oben herab \u201ediktiert\u201c werden. Erinnerungskultur entsteht demokratisch, von unten nach oben. So war es in den sp\u00e4ten 80ern und 90ern, als sich die ersten Gedenkst\u00e4tten und Initiativen auch in Baden-W\u00fcrttemberg gegr\u00fcndet hatten \u2013 von wenigen und von unten getragen und gegen Widerst\u00e4nde vieler erk\u00e4mpft. Aus all diesen Initiativen ist heute ein breites Netz an Gedenkst\u00e4tten entstanden, an dem viele Menschen aus unterschiedlichsten Berufen und Altersgruppen gemeinsam daran arbeiten, an die Vergangenheit zu erinnern und f\u00fcrs Heute zu mahnen.<\/p>\n<p>Dennoch: Es muss nicht erinnert werden \u2013 es kann. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn. Und an was erinnert wird, das, was eine Gesellschaft im Ganzen f\u00fcr Bewahrenswert, Beachtenswert, ja f\u00fcr Mahnenswert h\u00e4lt, sollte auch in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs immer wieder ausgehandelt werden.<\/p>\n<p>Mit diesem Aushandeln meine ich nicht, dass wir uns nach denen richten, die heute fordern, ein vermeintlicher Schuldkult m\u00fcsse beendet werden und man solle den Nationalsozialismus nur als Vogelschiss einer ansonsten tausendj\u00e4hrigen, erfolgreichen Geschichte Deutschlands betrachten. Solchen Menschen geht es nicht darum, sich mit anderen zu verst\u00e4ndigen, ob und was wir als Gesellschaft aus der Geschichte lernen wollen. Solche Menschen wollen spalten; sie wollen sich profilieren, sich in die \u00d6ffentlichkeit dr\u00e4ngen, indem sie Dinge sagen, von denen sie wissen, dass es den Medien eine Meldung wert ist und dass durch die sozialen Netzwerke Wellen von Emp\u00f6rung branden.<\/p>\n<p>Damit werden solche kruden Aussagen aber immer weiter verbreitet; man verhilft ihnen zu noch mehr Aufmerksamkeit. Das ist die Form von Werbung, die sich solche Menschen w\u00fcnschen. Und wir sollten dieser Masche nicht aufsitzen.<\/p>\n<p>Dennoch sollte an einer Gedenkst\u00e4tte Raum f\u00fcr viele Meinungen und Ideen sein. Freilich nur f\u00fcr solche, die sich im demokratischen Spektrum bewegen, die die Erkenntnisse der Wissenschaft akzeptieren und Fakten anerkennen. Nur durch einen Dialog vieler Menschen mit unterschiedlichsten kreativen Ideen und Zug\u00e4ngen zur Geschichte, Menschen aus Politik und Zivilgesellschaft erreichen wir auch k\u00fcnftig, dass eine lebendige Erinnerungskultur aufrechterhalten bleibt und dass wir uns als Gesellschaft immer wieder dar\u00fcber verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen.<\/p>\n<p>Ich freue mich, \u00fcber die Einladung zu diesem Tag in Spaichingen und \u00fcberbringe Ihnen allen herzliche Gl\u00fcckw\u00fcnsche der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung.<\/p>\n<p>Ich darf mich bedanken bei Herrn B\u00fcrgermeister Schumacher, der die Weiterentwicklung der Gedenkst\u00e4tte im letzten Jahr vorangetrieben hat,<\/p>\n<p>bei Frau Feldes, die die Inhalte entwickelt und als unerm\u00fcdliche Schnittstelle zwischen Haupt- und Ehrenamt die F\u00e4den zusammengef\u00fchrt hat,<\/p>\n<p>und bei der Initiative KZ-Gedenken, namentlich ganz besonders bei Herrn und Frau Dapp, bei Frau Hauser und Herrn Gro\u00dfmann f\u00fcr ihren ehrenamtlichen Einsatz, den man an dieser Stelle nicht hoch genug loben kann. Mit der Arbeit, die Sie leisten, tragen Sie ma\u00dfgeblich zu eben jenem Gelingen einer lebendigen und gelebten Erinnerungskultur bei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr B\u00fcrgermeister Schuhmacher, sehr geehrter Herr Martin, liebe Frau Feldes, liebe Mitglieder der Initiative KZ-Gedenken Spaichingen, sehr geehrte Damen und Herren, 2020 j\u00e4hrt sich das Ende der NS-Diktatur zum 75. Mal. Fast ein Menschenleben ist nun vergangen, seit die letzten H\u00e4ftlinge aus dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurden. 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