{"id":590,"date":"2018-02-28T18:21:01","date_gmt":"2018-02-28T18:21:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?p=590"},"modified":"2018-02-28T18:21:02","modified_gmt":"2018-02-28T18:21:02","slug":"spaichingen-war-doch-teil-des-holocausts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?p=590","title":{"rendered":"Spaichingen war doch Teil des Holocausts"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-590\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-590-0\"  class=\"panel-grid panel-has-style\" ><div style=\"padding: 100px 0; \" data-overlay=\"true\" class=\"panel-row-style panel-row-style-for-590-0\" ><div id=\"pgc-590-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-590-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div style=\"text-align: left;\" data-title-color=\"#443f3f\" data-headings-color=\"#443f3f\" class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-590-0-0-0\" ><div class=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"><h3 class=\"widget-title\">Spaichingen war doch Teil des Holocausts<\/h3>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-603\" src=\"http:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3983920_1_detailtablet_3883920_2_org_B996056322Z.1_20180126182134_000_GH54QTVJ3.1-0.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3983920_1_detailtablet_3883920_2_org_B996056322Z.1_20180126182134_000_GH54QTVJ3.1-0.jpg 960w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3983920_1_detailtablet_3883920_2_org_B996056322Z.1_20180126182134_000_GH54QTVJ3.1-0-300x169.jpg 300w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3983920_1_detailtablet_3883920_2_org_B996056322Z.1_20180126182134_000_GH54QTVJ3.1-0-768x432.jpg 768w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3983920_1_detailtablet_3883920_2_org_B996056322Z.1_20180126182134_000_GH54QTVJ3.1-0-830x467.jpg 830w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3983920_1_detailtablet_3883920_2_org_B996056322Z.1_20180126182134_000_GH54QTVJ3.1-0-230x129.jpg 230w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3983920_1_detailtablet_3883920_2_org_B996056322Z.1_20180126182134_000_GH54QTVJ3.1-0-350x197.jpg 350w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3983920_1_detailtablet_3883920_2_org_B996056322Z.1_20180126182134_000_GH54QTVJ3.1-0-480x270.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<p>Eine Zusammenschau aller Quellen ergibt rund 500 H\u00e4ftlingsnamen. Sicher werden noch mehr entdeckt. (Foto: Repros: Regina Braungart\/Montage: Matthias Wagner)<\/p>\n<p>(ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung der <a href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/landkreis\/landkreis-tuttlingen\/spaichingen_artikel,-spaichingen-war-doch-teil-des-holocausts-_arid,10808929.html\">Schw\u00e4bischen Zeitung<\/a>)<\/p>\n<p>Spaichingen war Teil des Holocausts der europ\u00e4ischen Juden. Entgegen der bisherigen Annahme, dass \u201enur\u201c elf der im Standesamt und im Hechinger Kriegsverbrechertribunal vermerkten Get\u00f6teten Juden waren, haben unsere Recherchen ergeben: Von den 106 namentlich nachweisbar in Spaichingen beziehungsweise auf einem Transport gestorbenen, sind 27 durch eine schriftliche oder m\u00fcndliche Quelle nachweisbar j\u00fcdisch gewesen. Dazu kommt eine bisher unbekannte, vermutlich hohe Zahl an auf dem Todesmarsch am 17.\/18. April 1945 Richtung Allg\u00e4u Umgekommener.<\/p>\n<p>Das ist das Ergebnis unserer Recherchen in europ\u00e4ischen Archiven und Jerusalem: 508 H\u00e4ftlinge in Spaichingen lassen sich namentlich nachweisen. Und zwar auf Transportlisten nach und von Spaichingen, im Archiv des Stammlagers Natzweiler, in Standesamtsakten und in Protokollen der verschiedenen Gerichtsprozesse. Dazu kommen weitere 23 H\u00e4ftlinge des Arbeitserziehungslagers Aistaig bei Oberndorf und polnische Zwangsarbeiter, die im Sommer gezwungen wurden, den KZ-Komplex vorzubereiten.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel, all diese Namen in den hunderten Seiten Akten herauszufinden, ist der Name eines kleinen Vogels.<\/p>\n<p>\u201eSperling\u201c. So haben die Nazis den Transport von 250 M\u00e4nnern genannt, der am 4. M\u00e4rz 1945 vom Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar nach Spaichingen geschickt wurde. Er muss irgendwann zwischen 7. und 10. M\u00e4rz hier angekommen sein, denn das Spaichinger Standesamt vermerkt am 10. M\u00e4rz 1945: \u201eDer Abramowicz \u2013 Unbekannt - wohnhaft in Spaichingen Arbeitslager, ist am 4. M\u00e4rz um 14 Uhr auf dem Transport von Buchenwalde nach Spaichingen verstorben.\u201c Zu allen weiteren Personenstandsdaten steht bei ihm: \u201eunbekannt\u201c. SS-Unterscharf\u00fchrer\u00a0<a class=\"rtr-entity\" title=\"Zur Person: Hermann Lorenz\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/suchergebnisse_suchbegriff,Hermann+Lorenz.html\" data-rtr-entity=\"Hermann Lorenz\" data-rtr-score=\"12.7109750765\" data-rtr-etype=\"person\">Hermann Lorenz<\/a>\u00a0hatte den Todesfall gemeldet, als Ursache stand wie bei so vielen KZ-Toten: \u201eHerz- und Kreislaufversagen\u201c. Beurkundet hat den Todesfall B\u00fcrgermeister Albert Hauber. \u201eAbramowicz\u201c, das haben unsere Recherchen ergeben, war mit ziemlicher Sicherheit Jude. So wie viele \u2013 nach Sch\u00e4tzungen von \u00dcberlebenden die Mehrheit \u2013 auf diesem Transport.<\/p>\n<p>Dass dieser am Ende seines gequ\u00e4lten Lebens in Spaichingen fast namen-, alters- und geschichtslose Mann einen Vornamen hatte, der mit S. begann, das entnehmen wir wenigstens der \u201eTransportliste Sperling\u201c, die vom 1. M\u00e4rz datiert. In den Archiven ist dieser Transport auch mit einem Vermerk versehen: Es sei ein H\u00e4ftlingstransport \u201ezum Kommando Sperling\u201c gewesen. Kommando Sperling, das muss der Deckname f\u00fcr das Spaichinger KZ gewesen sein.<\/p>\n<p>Die Entdeckung dieses H\u00e4ftlingstransports im Rahmen unserer Recherchen ist der Schl\u00fcssel dazu, was als Grundlagenarbeit zum Wissen \u00fcber das Spaichinger KZ gewertet werden muss. Denn trotz aller Hinweise: Bisher ver\u00f6ffentlichte und immer wieder abgeschriebene Todeszahlen entbehren bisher jeglichen Beweises \u2013 und, wie sich herausgestellt hat, wohl auch jeglicher faktischen Grundlage.<\/p>\n<p>Die deutsche B\u00fcrokratie arbeitete bis fast vor Kriegsende akribisch. Es gibt die 94 auf dem Standesamt Spaichingen im Sterbebuch eingetragenen KZ-Opfer, diese sind \u2013 immer wieder anders sortiert \u2013 auf s\u00e4mtlichen in unserer Region vorhandenen Listen zu finden. Nach dem Krieg haben vor allem die Franzosen viel daran gesetzt, aufzukl\u00e4ren, wer im Spaichinger KZ gestorben war. Diese Listen und Karteien \u2013 dazu geh\u00f6ren auch Krematoriumslisten aus Tuttlingen und Schwenningen \u2013 sind in der Zusammensetzung der Namen bis auf zw\u00f6lf Namen identisch. Vermutlich wird es nie m\u00f6glich sein, alle Namen von H\u00e4ftlingen und Gestorbenen ganz exakt zu rekonstruieren, denn zum einen sind auf den verschiedensten Listen \u2013 auch den Transportlisten \u2013 die Namen oft unterschiedlich geschrieben, manchmal stimmt das Todesdatum nicht, oft sind osteurop\u00e4ische Namen \u201everdeutscht\u201c, Zeugennamen hebraisiert, wenn die \u00dcberlebenden nach Israel ausgewandert sind.<\/p>\n<p>Die bisher in der Spaichinger Geschichtsschreibung kolportierte und wohl auf einfachen Hochrechnungen basierende Zahl von 160 Toten des KZ sind mit Sicherheit falsch. Dies d\u00fcrfte dem Umstand geschuldet sein, dass es f\u00fcr unwahrscheinlich erachtet wurde, dass nur vier beziehungsweise f\u00fcnf zu findende Tote dem Jahr 1944 zugeordnet wurden, obwohl das KZ Ende September eingerichtet worden war \u2013 aber \u00fcber 90 Tote den Monaten Januar bis Mitte April 1945. Und doch spricht viel daf\u00fcr dass es genau so gewesen war: Der erste Transport von 100 KZ-H\u00e4ftlingen wurde von der Natzweiler Verwaltung geschickt, meist aus Markirch.<\/p>\n<p>Der \u201eSchutzhaftlagerrapport\u201c vom 30. September 1944 vermerkt eine Belegung in Spaichingen von 100 bei einer m\u00f6glichen H\u00f6chstbelegung von 600. Im Oktober wurden \u201e13 Kr.\u201c nach\u00a0<a class=\"rtr-entity\" title=\"Zum Ort: Dachau\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/suchergebnisse_suchbegriff,Dachau.html\" data-rtr-entity=\"Dachau\" data-rtr-score=\"21.7391779624\" data-rtr-etype=\"place\">Dachau<\/a>\u00a0geschickt, wahrscheinlich kranke H\u00e4ftlinge. Danach protokollierte die SS-Lagerkommandantur Natzweiler einen Funkspruch, wonach \u201edie durch die dortige Firma ausgesuchten 499 Fertigungsh\u00e4ftlinge nach Spaichingen in Marsch zu setzen sind\u201c, die 100 Fertigungsh\u00e4ftlinge seien nach Dachau \u201ezur\u00fcckzu\u00fcberstellen\u201c.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich kamen mit einem laut Transportliste am 22. November 1944 losgeschickten Transport 200 H\u00e4ftlinge in den folgenden Tagen in Spaichingen an. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass es au\u00dfer diesem und dem Transport \u201eSperling\u201c weitere gr\u00f6\u00dfere Transporte gegeben hat. Denn es sind nur 20 bis 30 Namen, die nicht darauf, aber in weiteren Archivalien zu finden sind. Es gab immer wieder kleinere H\u00e4ftlingsaustausche mit den KZs im Zollern-Alb-Kreis.<\/p>\n<h2>Todesrate steigt<\/h2>\n<p>Warum ist es wahrscheinlich, dass die Todesrate ab Januar \u2013 sicher wurden im Januar auch noch Tote von Ende Dezember versp\u00e4tet gemeldet \u2013 in die H\u00f6he schnellte? Alle Zeugenaussagen, so sehr sie sich in Sch\u00e4tzungen von Zahlen und Daten unterscheiden, sprechen daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Der Winter, erb\u00e4rmliche Kleidung, k\u00f6rperlich ersch\u00f6pfendste Arbeit, vor allem in der schlammigen Lehmgrube, auf der die \u201eMetallwerke GmbH\u201c einen R\u00fcstungsbetrieb einrichten wollten, schlechte Ern\u00e4hrung und miserable hygienische Bedingungen zehrten die H\u00e4ftlinge zwischen 15 und 70 Jahren aus. Der Spaichinger Arzt Dr. Hans Ruffing betreute die KZ-H\u00e4ftlinge bis Mitte Januar 1945. Er berichtet im Rastatter Kriegsverbrecherprozess vor dem franz\u00f6sischen Milit\u00e4rgericht von neun bis zehn Totenscheinen.<\/p>\n<p>Der erste Lagerkommandant Werner Halter spricht im Hechinger Kriegsverbrechertribunal (nun durch die deutsche Gerichtsbarkeit) von w\u00e4hrend seiner Zeit bis 13. Januar 1945 von zw\u00f6lf Verstorbenen.<\/p>\n<p>Ruffings Nachfolger Dr.\u00a0<a class=\"rtr-entity\" title=\"Zur Person: Ludwig Sch\u00e4fer\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/suchergebnisse_suchbegriff,Ludwig+Sch%C3%A4fer.html\" data-rtr-entity=\"Ludwig Sch\u00e4fer\" data-rtr-score=\"18.4250109314\" data-rtr-etype=\"person\">Ludwig Sch\u00e4fer<\/a>\u00a0bezeugt im selben Prozess: \u201eAls ich zum ersten Mal das Revier betreten habe, sah ich eine gro\u00dfe Menge Leid.\u201c W\u00e4hrend seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Metallwerke und damit f\u00fcr die KZ-H\u00e4ftlinge seien 70 bis 80 H\u00e4ftlinge verstorben. Und: \u201eDie Sterblichkeit hat in der zweiten H\u00e4lfte meiner Anwesenheit in Spaichingen zugenommen.\u201c Durch den \u201eDruck der Alliierten nach Mitteldeutschland kamen vom Lager Buchenwald H\u00e4ftlinge nach Spaichingen, die in einem noch schlechteren Ern\u00e4hrungszustand waren, wie die H\u00e4ftlinge in Spaichingen.\u201c Der zweite Grund sei die Verknappung der Lebensmittel in dieser Phase kurz vor Kriegsende.<\/p>\n<p>Dr. Sch\u00e4fer in seiner Zeugenaussage weiter: \u201eDie haupts\u00e4chlichen Todesursachen waren Hungertod, Herzmuskelschw\u00e4che auf toxischer Basis (bedingt durch gro\u00dffl\u00e4chige Wunden und Abszesse, Wundrosen pp.) Typhus beziehungsweise Paratyphus.\u201c In Rastatt, als ab 1946 vor allem SS- und Wachpersonal sowie Metallwerke-Leiter Rainer Hartmann angeklagt wurden, berichtete Dr. Sch\u00e4fer: \u201eDie h\u00e4ufigsten festgestellten Krankheiten waren eine Schwellung der Glieder und des Bauches, verursacht durch Hunger. W\u00e4hrend ich im Lager war, gab es 78 Tote.\u201c<\/p>\n<p>Mit Sicherheit ist ab Januar die Todesrate auch deswegen gestiegen, weil der 1966 wegen Verbrechen in anderen Lagern zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilte zweite Lagerkommandant Helmut Schnabel laut vieler Zeugenaussagen selbst brutal war und ein brutales Regiment geduldet hat. Ein Zeuge berichtet von einem Spaichinger Kapo, er habe einen jungen Mann, \u201ediesen jungen Menschen geschlagen, und seine Schl\u00e4ge waren so brutal, dass dieser noch am selben Abend gestorben ist.\u201c Solche und \u00e4hnliche Schilderungen von bestialischen Grausamkeiten gibt es viele.<\/p>\n<p>Auch bez\u00fcglich der Rolle des Spaichinger KZ im R\u00e4derwerk zur Vernichtung der europ\u00e4ischen Juden basiert die Geschichtsschreibung in Spaichingen bisher auf einem Irrtum. Aufschluss gibt eine Recherche in der Jerusalemer Gedenkst\u00e4tte Yad Vashem. Dort n\u00e4mlich sind in der \u201eHall of Names\u201c 71 Namen von ungarischen Juden als Holocaustopfer verzeichnet, die alle mit dem Transport vom 22. November 1944 aus Dachau nach Spaichingen gekommen sind. Davon sind 25 in den Spaichinger Totenlisten verzeichnet. Aber: nur einige mit dem Zusatz \u201ej\u00fcdisch\u201c.<\/p>\n<h2>\u201eKatholisch\u201c statt \u201ej\u00fcdisch\u201c<\/h2>\n<p>Weil au\u00dfer kurz vor Kriegsende nach Aussagen des Archivars der Gedenkst\u00e4tte Dachau, Albert Knoll, der Zusatz \u201eJ\u201c immer eingetragen wurde, bleibt ein R\u00e4tsel, wieso f\u00fcr diese ganzen ungarischen Juden in Natzweiler lediglich \u201ePol\u201c f\u00fcr politische H\u00e4ftlinge eingetragen worden waren. Im Standesamt ist dann auch im Sterbebuch bei diesen Verstorbenen oft \u201ekatholisch\u201c, \u201eevangelisch\u201c, \u201ereformiert\u201c, \u201egriechisch-katholisch\u201c oder \u201eunbekannt\u201c eingetragen, aber nicht \u201ej\u00fcdisch\u201c. Die angegebenen \u201echristlichen\u201c Namen der Eltern (\u201eMaria\u201c, \u201eJohann\u201c und \u00e4hnliche) und vermeintlicher Ehefrauen (\u201eMargit\u201c) scheinen bewusst gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Nach unseren Recherchen sind also von den 508 namentlich nachzuweisenden H\u00e4ftlingen 77 nachweisbar j\u00fcdisch, von den insgesamt mit dem Spaichingen KZ verbundenen nachweisbaren 106 Toten \u2013 sind 27 j\u00fcdisch, doch die als Holocaustopfer in Yad Vashem vermerkten weiteren 46 Ungarn k\u00f6nnen also auf dem Todesmarsch oder kurz nach der Befreiung gestorben sein.<\/p>\n<p>Doch d\u00fcrften es sowohl weit mehr j\u00fcdische Gefangene gewesen sein und auch weit mehr Tote insgesamt. Aber erst nach Spaichingen. Denn auf dem Todesmarsch und den Evakuierungstransporten nach Dachau beziehungsweise ins Allg\u00e4u sind laut vielen Zeugenaussagen zahlreiche H\u00e4ftlinge an Ersch\u00f6pfung, Hunger oder durch Misshandlungen und Erschie\u00dfungen gestorben.<\/p>\n<p>Spaichingen war sp\u00e4testens ab Anfang M\u00e4rz 1945 ein Lager im System des Holocausts, als der Buchenwald-Transport ankam. Denn im Transport Sperling, das belegen viele Zeugenaussagen, unter anderem jene, die die Shoah Foundation von Steven Spielberg aufgenommen hat, war die Mehrzahl der H\u00e4ftlinge Juden. Diese hatten zahlreiche Ghettos und Konzentrationslager bereits hinter sich. Also m\u00f6glicherweise war ein gro\u00dfer Anteil der bisher unbekannten 193 M\u00e4nner j\u00fcdisch, deren Spur sich bis auf die Zeugenaussagen und Dokumente verliert, und von denen auf der Transportliste aus Buchenwald auch nur Nachnamen und der erste Buchstabe des Vornamens stehen.<\/p>\n<p>Auf der Liste \u201eSperling\u201c ist auch ein Name zu lesen, der in Spaichingen bekannt ist: Chaim Parzenczewski, geboren am 9. April 1924 in Polen, gestorben am 23. November 2005 in Kempten. Er war ein \u00dcberlebender des Holocausts, der auch in Spaichingen stattgefunden hat.<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Zusammenschau aller Quellen ergibt rund 500 H\u00e4ftlingsnamen. Sicher werden noch mehr entdeckt. (Foto: Repros: Regina Braungart\/Montage: Matthias Wagner) (ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Schw\u00e4bischen Zeitung) Spaichingen war Teil des Holocausts der europ\u00e4ischen Juden. Entgegen der bisherigen Annahme, dass \u201enur\u201c elf der im Standesamt und im Hechinger Kriegsverbrechertribunal vermerkten Get\u00f6teten Juden waren, haben unsere Recherchen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-590","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/590","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=590"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/590\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":609,"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/590\/revisions\/609"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=590"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=590"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=590"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}