{"id":1422,"date":"2026-02-15T10:13:53","date_gmt":"2026-02-15T10:13:53","guid":{"rendered":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?p=1422"},"modified":"2026-02-15T10:22:06","modified_gmt":"2026-02-15T10:22:06","slug":"verein-trauert-um-sein-gruendungsmitglied-liselotte-keil-26-8-1930-4-2-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?p=1422","title":{"rendered":"Verein trauert um sein Gr\u00fcndungsmitglied Liselotte Keil (26.8.1930 &#8211; 4.2.2026)"},"content":{"rendered":"\n<p>Spaichingen &#8211; \u201eSie war sicher die letzte Zeitzeugin, die noch pers\u00f6nlich tiefere &nbsp;Einblicke in die Machenschaften damals hatten\u201c, sagt der fr\u00fchere Vorsitzende der Freien W\u00e4hler und Ehrenringtr\u00e4ger Thomas K\u00e4stle \u00fcber Liselotte Keil. Das verweist auf zwei wichtige Punkte ihres \u00f6ffentlichen Wirkens: ein freier Geist und die Selbstverpflichtung, an die dunkelste Zeit der j\u00fcngeren deutschen Geschichte zu erinnern und zum mahnen. Am 4. Februar ist sie 95-j\u00e4hrig gestorben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatte nach Oberschule in Spaichingen und Abitur in Rottweil 1947 nach einem zweij\u00e4hrigen Praktikum in der damaligen M\u00fcller\u2019schen Apotheke&nbsp;wie ihr Vater Pharmazie studiert. Aber nach dem Studium in T\u00fcbingen f\u00fchrte sie ihr Berufsweg erst nach Stuttgart und M\u00fcnchen als Apothekerin, ehe sie 1965 die inzwischen umbenannte Apotheke am Marktplatz gef\u00fchrt. Wie Ihr Vater Alfred vor ihr. Sie war ein Freigeist, auch das muss sie von ihren Eltern mitbekommen haben, auch wenn diese sie &#8211; sie hat das die Nazi-Diktatur ja noch bewusst erlebt &#8211; offenbar gesch\u00fctzt haben. Denn klar war auch der Tochter, dass die Eltern keine Nazis waren. Aber dieses Wissen war damals f\u00fcr Kinder und die ganze Familie gef\u00e4hrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Liselotte Keil war gebildet und vielseitig interessiert. Kunst, Geschichte &#8211; und sie hat viel gelesen. Aber sie war auch ganz besonders interessiert und verwurzelt an und mit ihrer Geburtsstadt Spaichingen. Der Kreuzplatz und seine Geschichte, der Dreifaltigkeitsberg, die ganze Stadt und ihre Geschichte interessierten sie sehr. Sie war Mitglied im Heimatverein und hatte sich dort&nbsp;engagiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einem sehr scharfen und unbestechlichen Verstand heraus betrachtete sie die Gegenwart und die Geschichte. Mehrmals unterst\u00fctzte sie die Freien W\u00e4hler und kandidierte f\u00fcr den Gemeinderat. Und obwohl sie unter anderem als Apothekerin \u00fcber Jahrzehnte eine wichtige Rolle im \u00f6ffentlichen Leben Spaichingen spielte und den Menschen zugetan war, hielt sie sich doch immer bescheiden zur\u00fcck. Aber wenn sie ihre Stimme erhob, dann hatte sie auch etwas zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>So zum Beispiel, als es um die Gestaltung des Kreuzplatzes und den Erhalt der historischen Pr\u00e4gung mit seinen Linden ging.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Oder auch vor zehn Jahren, als sie als Gr\u00fcndungsmitglied den Verein \u201eInitiative KZ-Gedenken in Spaichingen e.V.\u201c mit aus der Taufe gehoben hatte. Es war ihr ein gro\u00dfes Anliegen, diese dunkle Geschichte eben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, denn sie hat als damals 14-J\u00e4hrige geh\u00f6rt, wie die Gefangenen M\u00e4nner mit ihren Holzschuhen schlurfend zur Sklavenarbeit getrieben wurden und gesehen, wie Tote neben den Baracken aufgestapelt wurden, weil der Familiengarten direkt neben dem Konzentrationslager war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie war die \u00e4lteste von vier Geschwistern, zwei Br\u00fcdern, Helmut und Gerhard, und einer Schwester, Renate. Die Familie musste aber 1942 mit gro\u00dfem Schmerz den Unfalltod des damals zehnj\u00e4hrigen Gerhard erleiden.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls hochgebildete Frau las Sie sehr viel und zuhause lagen immer B\u00fccher und Akten herum. Sie war&nbsp;&nbsp;selbstkritisch, was die eigenen&nbsp;&nbsp;Erinnerungen betraf. Sie war mit ganzem Herzen und sehr reflektiert an der Aufarbeitung der Spaichinger Geschichte an vorderster Stelle dabei, ohne sich selbst wichtig zu nehmen\u201c, erinnert sich die Gr\u00fcndungsvorsitzende des Vereins KZ-Gedenken in Spaichingen, Ingrid Dapp, an zahlreiche Gespr\u00e4che. Sie sei ihr ein Vorbild gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als \u00dcberlebende und deren Angeh\u00f6rige des KZ nach vielen Jahren wieder nach Spaichingen kamen, traf Liselotte Keil sie und half ihnen die Erinnerung zu bearbeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bis April 2025 konnte Liselotte Keil in ihrer Wohnung im Neubau der Apotheke seit der Umgestaltung des Marktplatz Ende der 60er, Anfang der 70er-Jahre mit Unterst\u00fctzung leben, aber dann zwang sie ein Sturz und Beckenbruch ins Krankenhaus und der Umzug ins Seniorenzentrum Aldingen brachte sie in die N\u00e4he ihres Bruders Helmut und seiner Familie. Von einem weiteren Sturz mit Oberschenkelhalsbruch erholte sie sich nicht mehr richtig. Sie schlief dennoch f\u00fcr alle&nbsp;\u00fcberraschend &nbsp;am 4. Februar friedlich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGerechtigkeit, Menschlichkeit, Klarheit und der Mut, durch Erinnern sich gegen Unmenschlichkeit zur Wehr zu setzen, auch wenn viele das zun\u00e4chst lieber verdr\u00e4ngt h\u00e4tten, das alles verk\u00f6rperte Liselotte Keil\u201c, so die Vorsitzende des Vereins KZ-Gedenken in Spaichingen, Regina Braungart. \u201eDer Verein trauert in gro\u00dfer Dankbarkeit um sein Gr\u00fcndungsmitglied.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie war stolze Spaichingerin, aber wir m\u00f6chten sie bei uns haben\u201c, sagt ihre Nichte Jutta Keil.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb ist die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung am Freitag, 20. Februar, um 13 Uhr auf dem Friedhof in Aldingen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Regina Braungart, Vorsitzende<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spaichingen &#8211; \u201eSie war sicher die letzte Zeitzeugin, die noch pers\u00f6nlich tiefere &nbsp;Einblicke in die Machenschaften damals hatten\u201c, sagt der fr\u00fchere Vorsitzende der Freien W\u00e4hler und Ehrenringtr\u00e4ger Thomas K\u00e4stle \u00fcber Liselotte Keil. 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