{"id":503,"date":"2017-07-25T14:28:34","date_gmt":"2017-07-25T14:28:34","guid":{"rendered":"http:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?page_id=503"},"modified":"2024-08-25T15:50:56","modified_gmt":"2024-08-25T15:50:56","slug":"erinnerungskultur-in-spaichingen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?page_id=503","title":{"rendered":"Erinnerungskultur in Spaichingen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die\u00a0 Erinnerung\u00a0 darf\u00a0 nicht\u00a0 enden<\/strong><\/p>\n<p>Die m\u00fchsame Besch\u00e4ftigung mit einem dunklen Kapitel der Spaichinger Geschichte<strong>:<br \/>\n<\/strong><strong>Die Erinnerungspflege zum KZ Spaichingen 1945-2017<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWas hier geschah, ist keine fremde Propaganda, sondern furchtbarste deutsche Wirklichkeit. Hier wurden von Deutschen Schandtaten ver\u00fcbt, wie sie in christlicher Zeit kein anderes Herrschaftssystem sich hat zuschulden kommen lassen. Vergessen wollen ist Torheit. Wir kommen keinen Schritt weiter mit uns selbst, wenn wir vor dieser Dornenkrone nicht merken, dass sie zu uns spricht.\u201c\u00a0 (zitiert nach: Jochen Kastilan, \u201eDas Konzentrationslager in Spaichingen\u201c in: \u201eSpaichinger\u00a0 Stadtchronik\u201c 1990, S. 291)<\/p>\n<p>Mit diesen leidenschaftlichen Worten wandte sich Regierungspr\u00e4sident\u00a0 Birn (T\u00fcbingen) an die Teilnehmer bei der Einweihung\u00a0 des KZ-Ehrenmals am 24. November 1963. Dieses st\u00e4dtische Ehrenmal \u2013 eine schlichte und doch k\u00fchne Stahlkonstruktion des Tuttlinger Bildhauers Roland Martin \u2013 erhebt sich zwischen dem Friedhof und der Bahnlinie Rottweil \u2013 Tuttlingen an der Stelle, wo wohl von September 1944 bis April 1945 in einem Massengrab KZ-H\u00e4ftlinge verscharrt wurden. Die Namen von 30 \u201eOpfern der Gewalt\u201c sind auf vier Bodenplatten angef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Gleich nach dem Krieg wurde auf Gehei\u00df der franz\u00f6sischen Besatzungsmacht\u00a0 an dieser Stelle ein erstes Mahnmal aus rotem Sandstein errichtet (18. August 1946).<\/p>\n<p>Im Archiv der Stadt Spaichingen werden f\u00fcr die folgenden Jahre\u00a0 Gedenkfeiern im August bzw. September erw\u00e4hnt. Jeweils am Volkstrauertag legt der Spaichinger B\u00fcrgermeister am Ehrenmal einen Kranz nieder. Viele Jahre legte der italienische Konsul am italienischen \u201eTag der Befreiung\u201c einen Kranz nieder zum Gedenken an die im KZ Spaichingen umgekommenen 20 Italiener. Beim traditionellen \u201eGr\u00e4berbesuch\u201c der katholischen Pfarrgemeinde an Allerheiligen wird jedes Jahr auch Station am Ehrenmal gemacht. Viele Jahre haben\u00a0 Klassen des Gymnasiums sowohl die Anlage am Ehrenmal hergerichtet als auch dort im Rahmen des Unterrichts an die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten erinnert<\/p>\n<p>Mit einer Gedenktafel oder Gedenkplatte an der eigentlichen Lagerst\u00e4tte im Marktplatzbereich tat man sich in der Stadt schwer. Dort, wo von September 1944 bis April 1945 drei Baracken f\u00fcr 300 bis 400 H\u00e4ftlinge standen, fand sich \u00fcber Jahrzehnte kein Hinweis: \u201cEntsprechende Antr\u00e4ge fanden keine Mehrheit\u201c (Jochen Kastilan, a.a.O., S.286). 1979 wurde dann am neuen Martin-Luther-Haus von der evangelischen Kirchengemeinde ein kleines Erinnerungsschild angebracht.<\/p>\n<p>Sehr energisch und kompetent hat sich in den 80er und 90er Jahren der Redakteur\u00a0 des \u201eHeuberger Boten\u201c, Jochen Kastilan, f\u00fcr die Aufarbeitung des Themas \u201eKZ Spaichingen\u201c eingesetzt. In zahlreichen Artikeln und besonders durch die Organisation einer gro\u00dfen Ausstellung im Gewerbe-Museum 1994 (zusammen mit Dr. Anton Honer) hat er die Bev\u00f6lkerung mit diesen finsteren sieben Monaten konfrontiert. \u00dcber 2200 Besucher waren betroffen und schockiert \u00fcber die grausamen Vorkommnisse auf\u00a0 Spaichinger Boden.<\/p>\n<p>Das Erinnern ist ein flie\u00dfender, lebendiger Prozess. Mit dem Tod vieler \u00dcberlebender der Schreckensjahre 1932-1945\u00a0 wurde die Erinnerung von den nachfolgenden Generationen \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Im \u00f6kumenischen Rahmen wurde der j\u00e4hrliche Solidarit\u00e4tsweg am 9.\/10. November\u00a0 (Reichskristallnacht 1938) abgehalten, bei dem immer wieder das \u201eKZ Spaichingen\u201c thematisiert wurde, etwa durch die Anfertigung eines Gedenkkreuzes aus dem geretteten Holz der von H\u00e4ftlingen errichteten\u00a0 Montagehalle 1944\/45.<\/p>\n<p>Zwei fr\u00fchere Sch\u00fclerinnen des Gymnasiums Spaichingen, Frau Tina Zepf und Frau Gabriele Armbruster, behandelten 2009 bzw. 2010 in ihren wissenschaftlichen Zulassungsarbeiten f\u00fcr das Lehramt an der PH Weingarten bzw. PH Freiburg spezifische Fragen zum KZ Spaichingen.<\/p>\n<p>2005 wurden durch Privatinitiative mit Unterst\u00fctzung beider Kirchengemeinden und des Stadtrats drei Bronzeguss-Platten an drei Stellen des fr\u00fcheren Barackengel\u00e4ndes angebracht. Sch\u00fclerinnen des Gymnasiums und Sch\u00fcler einer Metallklasse der Erwin-Teufel-Schule gestalteten die Platten unter Anleitung\u00a0 von Frank Mrowka, Frieder Preis, Franz Dreher und Wolfgang Schmid.<\/p>\n<p>2008 errichtete\u00a0 die Firma HOGRI auf ihrem Betriebsgel\u00e4nde im Gewann Lehmgrube\u00a0 einen Gedenkstein\u00a0 zur Erinnerung an die hier von den H\u00e4ftlingen 1944\/45 errichtete und 1999 abgerissene Montagehalle.<\/p>\n<p>2012 wurde, wieder durch Privatinitiative, mit 10 kleinen Bodentafeln der t\u00e4gliche \u201eLeidensweg\u201c der KZ-H\u00e4ftlinge vom heutigen Marktplatz zum Gewann Lehmgrube, wo eine Halle f\u00fcr die Firma Mauser (Oberndorf) von den H\u00e4ftlingen erstellt wurde, der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. Gestaltung: Frank Mrowka, Frieder Preis, Christina Hauser.<\/p>\n<p>2014 und 2015 trug die Theatergruppe der Realschule Spaichingen (Leitung: Susanne Tr\u00f6ster) bei zwei \u00f6ffentlichen Veranstaltungen ein Sprechst\u00fcck (Performance) \u00fcber das Schicksal der H\u00e4ftlinge vor (Text: Wolfgang Schmid).<\/p>\n<p>2015 fand die Ausstellung\u00a0 \u201eFreiheit so nah \u2013 so fern\u201c\u00a0 der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung\u00a0 Stuttgart \u00fcber die Aufl\u00f6sung der Au\u00dfenlager Natzweiler-Struthof\u00a0 im Gewerbe-Museum statt (\u00fcber 600 Besucher, viele Klassenf\u00fchrungen). &#8211; Unter dem Titel \u201eForschen \u2013 Erinnern \u2013 Gedenken\u201c stand der \u201eAktionstag Geschichte\u201c des Landkreises Tuttlingen am 20. 3. 2016 mit Vortr\u00e4gen zur Zeitgeschichte und Erinnerungskultur im Gewerbemuseum. Ein Info-Stand und eine Stadtf\u00fchrung zum Thema \u201eKZ Spaichingen\u201c waren dabei.<\/p>\n<p>Am 21.4.2016 wurde im Gasthaus \u201eEngel\u201c auf Initiative von Angelika Feldes (Leiterin des Gewerbemuseums) und Wolfgang Schmid von 10 Teilnehmern die \u201eInitiative KZ Spaichingen\u201c gegr\u00fcndet. Die Absicht: Alle Informationen zum Thema \u201eKZ Spaichingen\u201c zu sammeln, zu systematisieren und vor allem auch jungen Menschen zug\u00e4nglich zu machen, also Forschen \u2013 Informieren \u2013 Gedenken. Die neue Initiative wurde in die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkst\u00e4tten und Gedenkst\u00e4tten-Initiativen ( LAGG) aufgenommen, die bei der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Stuttgart angeschlossen ist. Die Initiative wurde auch Mitglied beim Verbund der Gedenkst\u00e4tten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler (VGKN).<\/p>\n<p>Am 19.1.2017 gr\u00fcndete die Initiative den Verein \u201eInitiative KZ-Gedenken in Spaichingen\u201c mit den Vorstandsmitgliedern Frau Dr. Ingrid Dapp, Frau Angelika Hauser und Herrn Beat Dorsch. Bei einer Informationsveranstaltung am 4.4.2017 im Martin-Luther-Haus konnten vor einem gro\u00dfen Zuh\u00f6rerkreis erste Aktivit\u00e4ten und Recherchen vorgestellt werden, etwa die Befragung von Spaichinger Zeitzeugen.<\/p>\n<p>Am 19. Juli 2017 wurde auf\u00a0 Privatinitiative am Marktplatz eine Info- und Gedenktafel auf Schwarzw\u00e4lder Jurastein enth\u00fcllt (Gestaltung der Tafel\u00a0 Frank Mrowka, Frieder Preis, Samantha G\u00f6tschl). Geplant war eine Gedenkansprache von Dr. Heiner Gei\u00dfler, der als Jugendlicher das KZ Spaichingen erlebt hat. Leider musste er kurzfristig krankheitsbedingt absagen.<\/p>\n<p>Etwa seit 2004 finden j\u00e4hrlich zahlreiche Klassen- und Gruppenf\u00fchrungen \u201eAuf den Spuren der KZ-H\u00e4ftlinge\u201c durch Wolfgang Schmid statt.<\/p>\n<p>\u201eDie Jungen sind nicht verantwortlich f\u00fcr das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich f\u00fcr das, was daraus in der Geschichte wird.\u201c Das Wort des ehemaligen Bundespr\u00e4sidenten Richard von Weizs\u00e4cker provoziert und motiviert, dass wir die Kraft des aufrichtigen Erinnerns brauchen, um uns vor Fehlern in der Zukunft zu bewahren.<\/p>\n<p>Wolfgang Schmid, Mai 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die\u00a0 Erinnerung\u00a0 darf\u00a0 nicht\u00a0 enden Die m\u00fchsame Besch\u00e4ftigung mit einem dunklen Kapitel der Spaichinger Geschichte: Die Erinnerungspflege zum KZ Spaichingen 1945-2017 \u201eWas hier geschah, ist keine fremde Propaganda, sondern furchtbarste deutsche Wirklichkeit. 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