{"id":1127,"date":"2023-03-19T15:27:58","date_gmt":"2023-03-19T15:27:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?page_id=1127"},"modified":"2024-09-07T18:29:31","modified_gmt":"2024-09-07T18:29:31","slug":"hintergrundinfo","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/?page_id=1127","title":{"rendered":"Hintergrundinfos"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eva Kiss<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video height=\"720\" style=\"aspect-ratio: 1280 \/ 720;\" width=\"1280\" controls src=\"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Preview-Eva-Kiss-Fertige-version.mp4\"><\/video><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zur Person<\/h3>\n\n\n\n<p>Eva Kiss befragt in ihren Arbeiten die Vergangenheit als einen Teil ihrer eigenen Geschichte.<br>Sie bearbeitet und transformiert pers\u00f6nliche Erfahrungen und Erinnerungen in ihrem Werk<br>so, dass sie universell g\u00fcltig und allgemein verst\u00e4ndlich werden. F\u00fcr die sehr komplexe<br>Problematik der Intimit\u00e4t hat sie eine eigene k\u00fcnstlerische Strategie entwickelt. So stickt oder<br>n\u00e4ht sie einzelne Motive auf kleine Stoffteile, welche sie wiederum in unterschiedlichen<br>Zusammenstellungen zueinander in Beziehung setzt. Kleinere Arbeiten \u2013 die durchaus f\u00fcr<br>sich stehen k\u00f6nnen \u2013 werden so zu gr\u00f6\u00dferen Bildkompositionen. Dabei werden die Arbeiten<br>nur mit Stecknadeln befestigt, um sie bei Bedarf auch in einem anderen Kontext wieder zu<br>verwenden. \u00c4hnlich unserem menschlichen Erinnerungsverm\u00f6gen und Erkenntnisgewinn,<br>entstehen hier Bilder in einer Ambivalenz von Indiskretion und Diskretion, von N\u00e4he und<br>Distanz. Durch die Auseinandersetzung mit ihrer pers\u00f6nlichen Vergangenheit gelingt es der<br>K\u00fcnstlerin durch Vereinfachung und einer verbl\u00fcffenden Auswahl eine sehr pers\u00f6nliche<br>eigene Ordnung und neue \u00fcberraschende Zusammenh\u00e4nge in ihren Arbeiten zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:2px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Die Arbeiten von Eva Kiss machen neugierig. Die Vielf\u00e4ltigkeit ihrer Arbeiten erlauben es den<br>Betrachtenden sich einer komplexen Thematik zu n\u00e4hern ohne abgeschreckt zu werden.<br>Trotz ihrer durchaus ernsten Problematik verstr\u00f6men die Arbeiten eine Leichtigkeit, und ja<br>sogar ein Gef\u00fchl der Freude, beim Gang durch die Ausstellung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:2px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Einen interessanten Einblick in die Arbeitsmethode von Eva Kiss erm\u00f6glicht ein Kurzfilm von<br>Johannes Rodach, der w\u00e4hrend der Ausstellung zu sehen sein wird.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Eva Kiss erz\u00e4hlt \u00fcber Ihren Vater<\/h5>\n\n\n\n<p>Mein Vater wurde am 16.2.1911 in Salgotarjan \/ Ungarn geboren. Von Beruf war er Maschinen-<br>schlosser und Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Ungarns.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:2px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Anfang Oktober 1932 wurde Gyula G\u00f6mb\u00f6s von Horty, dem damaligen Reichsverweser, zum<br>ungarischen Ministerpr\u00e4sidenten ernannt. G\u00f6mb\u00f6s war ein rechtsextremer und antisemitischer<br>Politiker. Er unterhielt sehr enge Beziehungen zu Hitler und dem nationalsozialistischen<br>Deutschland. Ab 1933 mussten alle Gegner und Illegale vor dem G\u00f6mb\u00f6s Kabinett aus Ungarn<br>fl\u00fcchten. W\u00e4hrend dieser Zeit war mein Vater als Grenzbeamter bei der Passkontrolle an der<br>ungarischen-tschechischen Grenze eingesetzt. Er hatte Verbindungskameraden in der<br>Tschechoslowakei und half Verfolgten des G\u00f6mb\u00f6s Regimes zur Flucht.<br>Dabei \u201ewurde ich von der geheimen Feldpolizei verhaftet und in das sehr bekannte politische<br>Zuchthaus in Budapest VIII. gebracht. Am 25. Oktober 1933 wurde ich von dem Milit\u00e4rgerichtshof<br>als \u201aStaatsfeind\u2018 gegen die ungarische Staatspolitik zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. [&#8230;] Im Jahr<br>1936 starb G\u00f6mb\u00f6s und das nachfolgende ungarische Kabinett setzte die Politik der<br>Zusammenarbeit mit Hitler fort.\u201c Als die Deutschen im M\u00e4rz 1944 Ungarn besetzten, wurden alle<br>politisch Verurteilen, Juden, Sinti und Roma in das Sammellager nach Komarom verbracht. Von<br>dort wurde mein Vater \u201evon dem ehemaligen F\u00fchrer der faschistischen \u201ePfeilkreuzler\u201c Sz\u00e1lasi an<br>Deutschland ausgeliefert und durch die Waffen SS in das Konzentrationslager Dachau deportiert.<br>An der linken Brustseite trug ich den roten Winkel und die Lagernummer :126.113. [&#8230;] Ende<br>November 1944 wurden wir etwa 150 KZ H\u00e4ftlinge von Dachau aus ins Konzentrationslager<br>Spaichingen \u00fcberf\u00fchrt. Dort mussten wir zuerst unser KZ Lager aufbauen. Sp\u00e4ter arbeiteten wir in<br>den Metallwerken Spaichingen.\u201c<br>\u201eMetallwerke Spaichingen\u201c war ein Tarnname. Es handelte sich um die Waffenfabrik Mauser, die<br>damals der Familie Quandt geh\u00f6rte. Im KZ Spaichingen (ein Au\u00dfenlager des KZ Natzweiler), das<br>mitten im Ort lag, herrschten unvorstellbare Zust\u00e4nde. L\u00e4use, Krankheiten, Tod, K\u00e4lte, Hunger,<br>Durst und Folter. H\u00e4ftlinge wurden wahllos mit Kn\u00fcppeln zusammengeschlagen.<br>Als mein Vater beispielsweise aus einer Abfalltonne einen Knochen holte, wurde er daf\u00fcr bestraft.<br>Ihm wurde am linken Mittelfinger das Endglied abgehackt. \u201eWas wir f\u00fcr ein schweres Leben gehabt<br>haben, wei\u00df jeder Einwohner in Spaichingen\u201c. \u201eWegen Frontann\u00e4herung am 18.April 1945 wurde<br>unser KZ Lager evakuiert. F\u00fcnf Tage und f\u00fcnf N\u00e4chte marschierten wir ohne jede<br>Nahrungsaufnahme in Richtung Dachau. Unser Bettlertrupp marschierte durch Tuttlingen,<br>Messkirch, Pfullendorf, Waldsee\u201c. Wer nicht mehr weiter konnte, wurde erschossen. \u201eIch blieb im<br>Landkreis Memmingen halbtot in einem Wald liegen. Die Staatspolizei von Memmingen brachte<br>mich in den Polizeiarrest. Am 26. April 1945 wurde ich von den Amerikanern befreit und schwer<br>krank ins Kreiskrankenhaus Memmingen gebracht.\u201c<br>Nach seiner Genesung lebte er als Displaced Person in der Moltke Str. 1 in Memmingen. In<br>Memmingen lernte er meine Mutter kennen und heiratete sie. Mein Vater versuchte in Memmingen<br>Arbeit zu finden und stellte u.a. einen \u201eAntrag f\u00fcr einen Ausweis ehemaliger KZ-Insassen\u201c. Dieser<br>Antrag wurde von der Zivil-Ausl\u00e4nder Lagerverwaltung in Person von Amtmann Eugen Wurm<br>(ehemaliges Mitglied der NSDAP) so schlecht referiert, dass der Antrag f\u00fcr politisch Verfolgte von<br>der Milit\u00e4rregierung durch Herrn Lt. Pane abgelehnt wurde. So hat es mein Vater aufgeschrieben.<br>Weil ihm dieses Papier fehlte, fand er keine Arbeit. Das war ein Grund, dass er in Memmingen<br>kaum in der Lage war seine Familie zu versorgen. Deswegen kehrte er nach Ungarn zur\u00fcck. Seine<br>Ehe mit meiner Mutter wurde aber vom ungarischen Staat nicht anerkannt. F\u00fcr die Ungarn war<br>meine Mutter deutsch und alle Deutschen waren Nazis. Ich habe sp\u00e4ter meinen Vater \u00f6fter in<br>Budapest besucht. Aber er hat nicht \u00fcber seine schreckliche Zeit geredet. Ich habe mich gef\u00fcrchtet<br>davor, und er vielleicht auch.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:4px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Eva Kiss, M\u00fcnchen<br>Die Zitate sind mehreren Schreiben und Briefen meines Vater entnommen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild.jpg\" alt=\"Vater von Eva Kiss\" class=\"wp-image-1148\" width=\"372\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild.jpg 520w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild-224x300.jpg 224w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild-230x308.jpg 230w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild-350x468.jpg 350w, https:\/\/kz-gedenken-spaichingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild-480x642.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eva Kiss Zur Person Eva Kiss befragt in ihren Arbeiten die Vergangenheit als einen Teil ihrer eigenen Geschichte.Sie bearbeitet und transformiert pers\u00f6nliche Erfahrungen und Erinnerungen in ihrem Werkso, dass sie universell g\u00fcltig und allgemein verst\u00e4ndlich werden. 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