Rede von Ingrid Dapp beim Festakt zur Eröffnung am 26.09.2019

Veröffentlicht am

Sehr geehrte Damen und Herren,
Spaichingen ist ein historischer Ort, bei dem das Konzentrationslager mitten im Ort stand. Spaichingen tat sich schwer mit der Erinnerung und Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus und des KZs.

1946 war ein Gedenkstein am Massengrab an der Bahnlinie der erste Erinnerungsort. Er wurde auf Anordnung der französischen Besatzungsmacht errichtet. 1963 wurde an diesem Ort das KZ-Ehrenmal von Roland Martin errichtet und die Namen der 30 Toten angebracht.

Auf den historischen Ort des KZ Spaichingen im Bereich des heutigen Postplatzes und Busbahnhofs wies nur ein kleines Schild am Martin-Luther-Haus hin.

Durch Aktivitäten von Bürgern wie Dr. Anton Honer und Wolfgang Schmid und vielen anderen wurde die Erinnerung wachgehalten.
2004 wurden Bodenplatten am ehemaligen KZ-Standort eingelassen.
2012 wurde der Weg mit Bodenplatten gekennzeichnet, den die Häftlinge durch die Stadt zur Lehmgrube gehen mussten. Dort mussten sie eine Waffenfabrik aufbauen.
Erst seit 2017 gibt es eine Gedenktafel am Postplatz.
2018 wurden die Gedenkstätten des Verbundes der ehemaligen Außenlager des KZ Natzweiler Struthof mit dem europäischen Kulturerbesiegel ausgezeichnet. In Spaichingen fand das Kulturerbesiegel seinen Platz am Martin Luther Haus.

Die 2017 gegründete KZ-Initiative in Spaichingen hat das Ziel, die neuesten Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir entwickeln hierfür eine Konzeption in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung.

Wir freuen uns, dass Spaichingen nun 75 Jahre nach der Errichtung des KZ Spaichingen einen Gedenkpfad für die lokale Geschichte von der Stadt Spaichingen bekommen hat. Die Gedenkstätte wurde sehr schön umgestaltet und lädt dazu ein, sich mit der Geschichte auseinander zu setzen. Wir danken Bürgermeister Schuhmacher, dem Gemeinderat, Frau Feldes und allen Beteiligten für die Gestaltung und Erneuerung dieses Erinnerungssorts.

Durch die Ergänzung der Namen am ehemaligen Massengrab werden zumindest den 95 toten KZ-Häftlingen ihre Namen wiedergegeben. Im Spaichinger KZ waren insgesamt 504 KZ-Häftlinge untergebracht.

Wir möchten an diesem Ort der Toten gedenken, die im Lager Spaichingen oder auf dem Todesmarsch gestorben sind. Wir denken hier auch an die Überlebenden des KZ Spaichingen und ihre Nachkommen. Sie haben einen wertvollen Beitrag zum Nichtvergessen und zur Versöhnung geleistet.

Richard von Weizäcker sagte 40 Jahre nach Kriegsende: „ Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“

Wir wollen die Erinnerung wachhalten und wünschen uns jetzt und in Zukunft einen bewussten, offenen und kritischen Umgang dem nationalsozialistischen Zivilisationsbruch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.